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Kühl rinnt
der sächsische Landwein die Kehle hinunter. Und ringsherum ist Sommer.
Überall sattes Grün, sanfte Hügel und geputzte Häuschen soweit das Auge
reicht. Die Lausitz weiß, wie sie einen um den Finger wickelt. Lasziv, wie
eine schlummernde Schönheit räkelt sie sich unter den warmen Strahlen der
Abendsonne. Auch Hubert Jäger erlag wohl dem Reiz dieses Landstriches. Als es
den fränkischen Architekten auf der Grundstücksuche vor vier Jahren nach Bischheim
(kurz hinter Pulsnitz) verschlug, führte ihn sein fahrbarer Untersatz zur
ehemaligen Windmühle. Besser, zu dem was nach Jahrhunderten davon übrig
geblieben war. Als Hubert, aufgewachsen mit der sorbischen Legende vom
Krabat, die Wagentür zuschlug, stieg aus dem dunklen Gemäuer eine Horde Raben
auf. Das Ding war gebongt.
Seit Mai dieses Jahres nun steigen statt Raben lecker Bratendüfte in den
Himmel, denn das ruinöse Gebäude mutierte zur bildschönen Kulturmühle frei
nach der Devise: rustikales Gemäuer trifft Landliebe-Interieur.
Neben Polstergestühl a la Oma laden blumengeschmückte Tische aus derbem Holz
zum Schwatzen und Schmatzen ein. Über dem kreisförmigen Erdgeschoss schwebt
eine lieblich geschwungene Empore mit weiteren Tischen. Kaum eingetreten
bittet Herr Reuter zum Rundgang durchs Etablissement, und in eben jene
Schmause-Aussicht des ersten Stockes. Wir sind hin und weg. Aber auch
hungrig. Bevor wir uns dazu äußern können, erfahren wir jedoch, dass man sich
bei "Müllers" das Ja-Wort geben kann und was es mit der Kultur auf
sich hat. Denn eben Speis und Trank halten die eingepachteten Kulturmüller Jens
Reuter und Christian Schydlo in ihrem runden Stübchenein breites Angebot an
Kino, Theater, Kabarett, Konzerten und Lesungen für die Lausitzer und ihre
gern gesehenen Gäste bereit. Im winzigen Mühlenkino rückt man sich nicht nur
näher, sondern wählt auch gleich die Filme für den nächsten Monat aus. Wir
hingegen wählen die Vorspeise. Spinatcremesuppe (2,90 €) soll es sein. Herr
Reuter (rührend bemüht) serviert den überaus trefflichen Gemüsesud im
robusten Steingeschirr mit kleinem Deckelchen. Wie schnuckelig. Wie pikant!
Gleiches gilt für den herzhaften Tomatensalat mit Schafskäse (klein 2,90 €).
Fein, fein. Weniger, dass hier Feta-Käse aus Kuhmilch (statt aus dem Wolltierprodukt)
an der Tomate landete. Beim Lachs auf Blattspinat an Rießlingsauce (10,20 €)
stimmt die Deklarierung wiederum. Auch wenn für Vegetarier interessant zu
wissen wäre, dass Popeye´s Leibspeise deftig mit Speck angereichert wurde.
Trotzdem schlagen die Mühlenflügel des Magens heftig und wohlwollend aus.
Denn knusprig und überaus saftig gibt sich das rote Söckchen unter den
Fischigen, nur die Weintunke hätte ein Müh länger ihre Prozente aushauchen
können. Als Zweitgericht muss der frische Spargel mit buttrig gebratener
Rinderzunge (6,90 €) daran glauben. Auch hier Pluspunkte. Aber an der Sauce haperte
es ein wenig. An dieser Stelle sei es erlaubt: Liebe Köche! Holländische
Sauce ist wirklich keine Kunst. Schaut doch mal in Eure Kochbücher und
probiert es aus.
Darauf müssen wir glatt noch einen Landwein trinken, denn die Dessert-Karte
mit gebackenen und gefrorenen Spezialitäten ist noch in Arbeit. Ein Schluck
vom Weine und die Wogen sind geglättet. Derweil die Blicke aus dem trutzigen
Mühlengemäuer zum nahen Sonnenuntergang schweifen. Lechz!
Ob wir wiederkommen? Garantiert. Vielleicht zum Kinotag? Vielleicht mit Zeit?
Herr Reuter meinte, dass die Mühlenwiese groß genug sei - das Freibad
erspähten wir schon am Parkplatz. Ein letzter Blick auf "Reuti",
der einem heiteren Damenkränzchen (in müllerlichen Leinenwams an
wadenbetontem Beinkleid) gerade den Müller gibt. Und seufzend nehmen wir
Abschied.
Kerstin Lauer
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